Kapitel 36

„Hi ihr süßen", begrüßte uns meine beste Freundin und ging unsere Jacken an ihre kleine Gardarobe. Medina hatte sich extra schick gemacht. Sie trug ein leichtes knielanges weißes Kleid und sie hatte ihre schwarzen Haare locker mit einer weißen Blüte hochgesteckt. Sie sah in meinen Augen umwerfend aus, auch schöner als die Daya Nele. 

„Wie geht es dir und Ludwig?", erkundigte sich Medina gleich bei einem Glas Rotwein und wir liefen in einer lockeren Gruppe von der Gardarobe zum Esstisch. Die Wohnung war sehr übersichtlich. Es war ein großer Wohnraum mit Schlafsofa, einem Bett hinter einem Sichtschutz, einer Küchenzeile und einem Esstisch. Hinter einer Schiebetür war das Bad und sonst gab es nicht viel zu sehen. Die Möbel waren sehr teuer aber wirkten schlicht und modern.
„Ja uns geht es sehr gut. Es ist nur stressig wegen Verbindung und so. Weißt du es ist halt wie eine Hochzeit", seufzte Nele und ließ sich gegenüber von uns auf einen Stuhl fallen. 
„Habt ihr davor schon mal jemand anderen geküsst und etwas gespürt", meinte Medina und wirkte dabei sehr traurig und bedrückt.  Ich zog sie mit einem Arm näher zu mir und ließ ihn auf ihrer Schulter liegen.
Meine Augen wanderten zu Nele, sie blickte mich an und wir verständigten uns ohne Worte, dass es jetzt besser wäre die Warheit zu sagen. 
„Ich war im Herbst noch mit Arvid zusammen und wir haben uns bis nach dieser Silvesternacht regelmäßig getroffen", erklärte Nele die Beziehung zwischen uns, „Ich liebte ihn wie du ihn liebst Medina.  Gib es zu, du liebst ihn. Mehr als du Lucas lieben wirst und mehr als Marcus damals." Medina zupfte an ihrem Haargummi, blickte zu mir und dann wieder auf den Tisch. 
-„Das ist aber in dem Fall anders. Wir Dayas dürfen das. Du aber als Mensch wirst in den Augen des Rates von Arvid manipuliert,  nicht mit Lucas in Verbindung zu treten. Sie sehen dich und Arvid als schwache Menschen."

Medina blickte fragend auf und schaute Nele ungläubig an: „Was sind Dayas? Ich dachte das wäre eine Sekte?"
„Das hat dir Lucas nicht erzählt, aber...aber du bist in 3 Monaten dran", kreischte Nele und ich und Medi schüttelten den Kopf.
Ich fasste zusammen: "Lucas hat ihr einen Scheiß erzählt!"
„Also gut die Kurzfassung. Ich und Lucas und alle die hier im Haus leben, naja fast alle, sind Dayas. Wir sind wie Menschen aber leben länger und gehen mit Menschen, den Auserwählten, Verbindungen ein, um Kinder zu bekommen aber auch um mit ihnen ein schönes Leben zu verbringen," erklärte es Nele grob und Medina nahm es übertrieben gelassen. Sie nickte nur und deutete dann auf mich: „Arvid ist keine Daya?" 
„Nein ich bin ein Mensch aber da Lucy eine ist bin ich eine Mischung. Nur das erste Kind von einer Daya und ihrem Auserwählten wird auch eine Daya. Deshalb ist Lucas eine und ich nicht. Ich bin jünger als Lucas, da er seit er 20 ist nicht sterben kann", beantwortete ich ihre Frage und wickelte eine Haarsträhne um meinen Finger. Ich konnte einfach nicht die Hände von ihr lassen...
„Können die so zaubern wie Lucas gestern?", fragte Medina und trank noch einen großen Schluck, während sie nach meiner Hand griff.
„Was hat Lucas gestern gemacht?", fragte
Nele neugierig und Medina blickte zu mir. Ich nickte ihr aufmunternd zu und sie erzählte Nele nach und nach von den komischen, falschen Gefühlen bei Lucas und den Druck welchen sie bei ihm verspürte. 

„Hm ja das können die Dayas schon bei ihren Auserwählten machen aber eigentlich nutzt das keiner mehr. Ich mache das bei Ludwig nur aus Spaß", erklärte Nele und stand nachdenklich auf. Als sie immer wieder auf und ab ging musste ich an unsere Zeit in der Wohnung denken und grinste kurz.
„Aber warum tut er das? Er kann ja auch wirklich gut normal flirten, so was hat er doch nicht nötig", meinte Medina und sofort kam mir der Gedanke, dass es Lucas in diesem Fall schon nötig hatte. 
„Marcus ist ihm eine zu große Konkurrenz geworden", rutschte es aus mir heraus, „Von unserem...naja...intimen Kontakt weiß er ja nichts aber von Marcus und dir weiß er."
Nele seufzte und blickte mich böse an: „Arvid! Sag nicht ihr habt...naja...die größte Sünde bei einem Auserwählten..."
„Nein wir? Nein. Nur naja heute nochmal geküsst", versuchte ich Nele zu beruhigen und sie ging noch schneller auf und ab.
„IHR SEIT UNMÖGLICH", kreischte sie und schenkte sich gleich nochmal Wein ein, „Erst das mit Marcus! Dann stehst du auf Medina und ihr küsst euch und dann wundert ihr euch, dass Lucas seine Kräfte nutzt um an seine Auserwählte ran zu kommen!"
Es stimmte schon. Medina und ich waren schon sehr respektlos und ignorant gegenüber meinem Bruder. Er war Medinas Bestimmung und wir versuchten gegen das Schicksal zu arbeiten. Sie mit OneNightStands mit Marcus und ich damit, dass ich von möglichst viel Zeit mit ihr träumte. 
„Ich möchte einfach selbst entscheiden. Ich mag Arvid sehr und Marcus hat auch seine Vorteile und ich kann dieses freie Leben noch nicht hinter mir lassen", seufzte Medina und ich verstand sie zu gut. Aber ich und auch Nele wussten, dass sie das musste. Sie musste es hinter sich lassen. Mich musste sie vergessen und auch Marcus. Zumindest bis zum Abschlussball.

„Ich werde alles tun, dass wir das hier noch genießen können Medina. Ich...ich liebe dich wirklich Medina und ich möchte noch so viel Zeit mit dir wie möglich", sagte ich endlich was ich fühlte und Nele blickte mich entsetzt an.
Medina hingegen stiegen die Tränen in die Augen und sie flüsterte: „Ich dich auch Arvid." Dann küsste sie mich und alles fühlte sich einfach gut an, bis Nele mich weg zog und mich ins Bad führte.

„Willst du für sie dein Leben aufs Spiel setzen Arvid?! Das lass ich nicht zu", zischte Nele leise.
„Das ist doch meine Entscheidung und sie ist es Wert. Ich habe dich schon gehen lassen Nele und bereue es bis heute." Ich lehnte mich gegen die Wand und Nele sich eng neben mich. Unsere Arme berührten sich und Erinnerungen an damals kamen wieder hoch. 
„Ich habe so gehofft du bist es Arvid. So sehr."
„Ich weiß Nele. Ich auch", seufzte ich und rutschte noch ein Stück zu ihr.
Ihr Kopf ruhte auf meiner Schulter. „Es ist deine Entscheidung und wenn du diesen Weg mit ihr gehen willst bin ich bis zum Schluss für dich da Arvid. Versprochen."
„Ich weiß ich werde bei deiner Arbeit enden aber selbst dann werde ich es nicht bereuen Nele."
Sie nickte und gab mir einen Kuss auf die Wange. Eine Träne kullert über ihre Backe und schnell wischte sie sie weg.
„Wenn du fort bist...ach man...scheiß Leben hier."

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