Kapitel fünf
Als er aus dem Auto ausstieg klopfte mein Herz vor Aufregung schneller und ich knetete nervös meine Hände.
Eva trat neben mir von einen Fuß auf den anderen und wir beobachteten wie Arvid seine Reisetasche aus dem Auto holte. Als er auf mich zulief breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus und er nahm mich zur Begrüßung fest in den Arm. „Hi Arvid“, begrüßte ich ihn immer noch in der Umarmung und er löste sich von mir. Etwas bedauerte ich es sogar. Die Umarmung war warm und kuschelig gewesen, außerdem roch sein Parfüm sehr sehr gut.
„Hallo Medina und du musst Eva sein, Medinas beste Freundin. Sie hat schon von dir erzählt.“ Seine Stimme klang tief und freundlich und als er Eva die Hand hinstreckte wurde sie tatsächlich ein bisschen rot. „Hi...ja genau ich bin Eva.“
Wir wollten Arvid eigentlich direkt in der Jungs WG, in Lucas altem Zimmer schlafen lassen, doch leider schliefen dort schon alle und so gingen wir in unsere Wohnung.
Eva richtete ich der Küche noch Snaks her, während ich mit Arvid sein Nachtlager in meinem Zimmer aufschlug. Ich hatte eine ausziehbare Couch und dort würde er morgen nicht entdeckt werden, während wir alle in der Schule waren.
„An Silvester schläfst du bei mir und jetzt werde ich auf die Couch verbannt“, witzelte er als Eva mit den Süßigkeiten ins Zimmer kam. Sie war natürlich wieder übertrieben neugierig und musste sich von ihm die Bestätigung einholen, dass wir an Silvester wirklich nur geredet hatten.
„Ja wir haben nichts anderes gemacht. Nur geredet“, bestätigte er meine Aussage und wir setzten uns zu dritt mit den Chips auf mein großes Himmelbett.
„Meine Mutter hat eine Wohnung unten in der Stadt. Morgen werde ich dort hin gehen Medina“, erzählte er da wie aus dem Nichts und Eva und ich blickten ihn erstaunt an.
„Wie lange kannst du denn dann hier bleiben?“ In meinem Kopf ratterte es. Hieß das ich konnte so viel Zeit mit ihm verbringen? Krass das er extra hier in dieses Kaff kam.
„Ist egal ich bin immer da wenn du Zeit hast. Brauchst du nicht auch einen neuen Tanzpartner nachdem Lucas weg ist? Ich kann mit dir trainieren wenn du magst. Im Job bin ich flexibel, kann auch von hier arbeiten. Muss nur fit bleiben“, meinte er und stopfte sich Chips in den Mund.
„Das ist ja genial!“, freute ich mich und klopfte Eva auf den Oberschenkel. Sie grinste mich ebenfalls breit an.
„Wie lange tanzt du denn schon?“, fragte meine beste Freundin ihn und er kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Etwa 15 Jahre. Ich habe mit 8 angefangen, hatte jetzt aber beruflich eine lange Pause.“
„Damit lässt sich arbeiten“, sagte ich ruhig und lächelte ihn zögerlich an.
Wenig später ging Eva in ihr Bett und wir waren im Zimmer alleine.
„Du kannst mein Bad nutzen.“ Ich deutete auf die helle Türe neben meinem Bett und Arvid verschwand darin.
Ich zog mich langsam um. Zum schlafen trug ich immer einfache kurze Sporthosen kombiniert mit einem bauchfreien Sportoberteil. Arvid hingegen schlief anscheinend einfach mit einer kurzen Hose…ohne Shirt.
Er hatte so definierte Muskeln wie ich sie noch nie bei einem Mann gesehen hatte.
Ich wollte gerade was sagen, doch er kam mir zuvor. Sein Blick war so ernst, dass ich schnell meine Augen von seinem Oberkörper abwandte.
„Ich bin nicht stolz darauf. Beachte es einfach gar nicht. Wenn du wüsstest was ich dafür durch gemacht habe, hättest du sicher Verständnis. Meine Kindheit und meine Ausbildung war nicht so schön wie du denkst“, seufzte er und schlüpfte doch wieder in ein Shirt.
„Warum denn nicht?“, fragte ich naiv und unwissend wie ich nun einmal war. Arvid setzte sich zu mir auf das Bett und kuschelte sich nun doch in eine Wolldecke.
„Willst du das jetzt vorm schlafen wissen? Ist eine lange Geschichte und sicher nicht fröhlich.“
„Ja komm schieß los, kann nun eh nicht mehr schlafen.“ Mit meiner dicken Decke legte ich mich neben ihn.
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